Das Interview zu ihrem neuen Buch "VergeSSen"

Edition Lumen Autorenforum: Frau Pauls-Gläsemann, vielen Dank für den Vorwegeinblick in Ihr neues Buch. Von der Thematik her unterscheidet es sich extrem von allem, was Sie bisher geschrieben haben.

Autorin: Ja, das stimmt schon, dennoch erinnerte es mich zeitweise an meinen ersten Roman Levitikus Erben.

Edition Lumen Autorenforum:Könnten Sie das näher erläutern? Einige unserer Leserinnen und Leser kennen das Buch vielleicht nicht. Worin ähneln sich beide Bücher?

Autorin: Levitikus Erben beschäftigt sich mit drei Überlebenden, die im KZ Auschwitz während der NS-Zeit waren und die sich nach Jahren wiedersehen, ohne zu wissen, was für eine familiäre Tragödie sie miteinander verbindet.

Die Erzählung "VergeSSen" greift auch wieder das Thema Konzentrationslager auf, diesmal jedoch das in Stutthof, in der Nähe von Danzig. Auch hier wird eine Familiengeschichte erzählt, die bis in unsere heutige Zeit hineingreift.

Edition Lumen Autorenforum: Jetzt wird es interessant, es hört sich fast nach einer persönlichen Thematik an. Gibt es da vielleicht Ansätze zu Ihrer eigenen Vergangenheit?

Autorin: Leider muss ich das bestätigen. Ich habe durch meinen ersten Roman erfahren - der rein fiktiv ist - dass mein Großvater SS-Oberscharführer der Wachmannschaft im KZ Stutthof war. Es hat fast 17 Jahre gedauert, bis ich mir ein Bild machen konnte, wer er war oder wie es dazu kommen konnte. Natürlich spielt da auch die unbewusste vererbte Schuld eine wichtige Rolle in meinem Leben. Ein Erbe, das ich von meinen Eltern erhalten habe und im Begriff war, es meinen Kindern weiterzugeben. Ich musste das Durchbrechen, indem ich anfing, nach der Wahrheit zu suchen und nicht nach den Geschichten, die in meiner Familie überlebt hatten. Für meine Verwandtschaft bin ich sozusagen der Nestbeschmutzer, die Wahrheit wird weiterhin verleugnet, was ich herausgefunden habe, stimmt angeblich nicht. Doch ich verfüge über genügend Dokumente und Fotografien, die das Gegenteil beweisen.

Edition Lumen Autorenforum: Dann ist das jetzt ein mutiger Schritt, darüber ein Buch zu veröffentlichen. Haben Sie keine Angst vor den Reaktionen Ihrer Familie?

Autorin: Natürlich ist das ein schwerer Gang. Aber ich habe keine andere Wahl. Mein Großvater stand in der Öffentlichkeit und nur in der Öffentlichkeit kann ich dieses Familientrauma auflösen. Mein Weg ist der, dass ich darüber schreibe. Ich habe alles andere schon versucht, aber für mich ist das der sinnvollste Weg. Meine Familie wird dafür kein Verständnis haben, vor allem nicht mein Vater. Er begreift nicht, unter welcher Last wir als Nachkommen leben, welche Auswirkungen das Schweigen, die ganzen Lügen und die Scham haben. Es gibt so viele Wiederholungen, die endlich durchbrochen werden müssen. Ein Onkel von mir, drohte mich anzuzeigen, wenn ich über die Familie Lügen erzählen würde. Nun gut - meine Geschichte ist frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit zu lebenden oder verstorbenen Personen entspringt der Laune meines Unterbewusstseins und ist rein zufällig.

Edition Lumen Autorenforum: Was genau erwartet die Leserinnen und Leser?

Autorin: Eine Erzählung, in der sieben Personen ihre Geschichte erzählen. Ich habe versucht, alle Seiten zu beleuchten, die Hintergründe aufzuzeigen, die politische Situation seit dem 1. Weltkrieg, wie es dazu kommen konnte, das einfache Menschen Hitler gewählt haben und er an die Macht kommen konnte. Wie man mit dem Wissen und Unwissen im 2. Weltkrieg umgegangen ist, wie man Schuld empfand und sie ausdrückte. Ich breche das Schweigen und lasse meine Protagonisten zu Wort kommen: Marlene als Kind, die die Flucht aus Danzig miterlebt. Ihre Mutter Leonora, die als uneheliches Kind eines russischen Soldaten ihr Leben über zwei Weltkriege hinweg meistern muss. Deren Mutter Maria, die das Schicksal eines Familienclans bis zum Schluss in den Händen hält und schließlich als Höhepunkt auch Oberscharführer Johann Pawel, der sich als junger Mann der NSDAP anschließt und Einblicke in sein Denken und Handeln gibt. Zum Schluss bemüht sich Mirjam, Marlenes Tochter und auch deren Tochter Mara um Klärung und Aufdeckung eines Familientraumas, das die vierte Generation erreicht hat. Unterstützung erhalten Sie von dem Juden Hans Rosenbaum, der viel Licht in das Gebäude aus Lügen, Scham und Schweigen bringt.

Edition Lumen Autorenforum: Gab es so einen Hans Rosenbaum tatsächlich in Ihrem Leben?

Autorin: Ja, den gab es und gibt es immer noch. Ich hatte auch Kontakt zu einer Überlebenden Jüdin, die meinen Großvater persönlich kannte. Er hatte ihr Leben gerettet und sie hat das auch in ihrem Buch erwähnt. Mein Hans Rosenbaum ist ein Danziger Fotograf und Schriftsteller, der - ohne es zu wissen - mir ein Foto von meinem Großvater schickte, kurz nachdem ich mit dem Buch fertig war. Es hat mich sehr berührt, weil ich nicht nur  Frieden schließen konnte mit meiner Vergangenheit, sie war für mich auf einmal greifbar und auch begreifbar. Das war die Bestätigung, dass dieses Buch veröffentlicht werden muss, damit sich andere, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, für die Wahrheit nicht mehr schämen müssen und vielleicht den Mut haben, ihre persönliche Vergangenheit aufzuarbeiten.

Edition Lumen Autorenforum: Ein bewegendes Interview. Ich bin mir sicher, dass wir in Zukunft noch viel von diesem Buch hören werden. Vielen Dank für Ihre offenen Worte!

 

 

 

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Das Interview zu ihrem neuen Roman "Die Briefschreiberin"

HistorySearch Autorenforum: Frau Pauls, wir dürfen wieder gespannt sein? Wie kamen Sie auf die Idee, von der historischen Vergangenheit in die Zukunft zu wechseln?

Autorin: Das war überhaupt keine Absicht, ganz im Gegenteil. Ich war selber überrascht, als ich mich an den PC setzte und einen Traum - im wahrsten Sinne schon Alptraum - aufschrieb. Ich wusste gar nicht, wohin mich die Gedanken führten und das daraus ein neues Buch wurde.

HistorySearch Autorenforum: Mit anderen Worten, dieses Buch unterscheidet sich von ihren anderen Werken?

Autorin: Ja, so kann man es beschreiben. Ich war ja selber überrascht, was da plötzlich entstand und habe jetzt nach fast einem Jahr noch einmal den ganzen Roman gelesen udn fand, dass es Zeit wird, dass er veröffentlicht wird.

HistorySearch Autorenforum: Sie sind mittlerweile dafür bekannt, dass Sie ihre Bücher innerhalb kurzer Zeit schreiben, das kürzeste war 14 Tage (Galgenbuck, so viel ich noch in Erinnerung habe). Wie war das mit diesem Science-Fiktion-Roman?

Autorin: Ich wusste, dass Sie mich das fragen werden und dass sie dabei auch das Wort Science-Fiktion erwähnen. Also ich hatte das Ganze innerhalb weniger Tage fertig, ich schrieb Tag und Nacht, konnte gar nicht aufhören. Es ist immer wie ein Film, der vor dem geistigen Auge abläuft. So schnell kann ich gar nicht tippen - und ich tippe schon mit allen Fingern - wie das Geschehen mich selbst ergreift. Was das Genre des Romans angeht - er hat seinen Schauplatz zwar in der Zukunft, aber die Wurzeln liegen in der Gegenwart.

HistorySearch Autorenforum: Was können die Leserinnen und Leser darunter verstehen? Was erwartet ihre Fans?

Autorin: Wenn Sie etwas schreiben und plötzlich passieren Dinge in der Weltgeschichte, die sie zuvor in einem Traum gesehen haben, wie würden Sie das bezeichnen? Ich war teilweise so geschickt, dass ich wirklich eine Schaffenspause einlegen musste, sonst wäre der Roman schon im Oktober 2013 erschienen. Für mich ist dieser Roman eine Art Vision, der ich auf schriftsstellerische Art und Weise nachgegangen bin. Daher unterscheidet er sich von allen Büchern, die ich bis jetzt veröffentlicht habe.

HistorySearch Autorenforum: Der Titel des Romans ist schlicht gehalten, das Cover erinnert auch an den Galgenbuck-Roman. Gibt es sonst noch Parallelen?

Autorin: Der erste Blick könnte wirklich auf eine Fortsetzung hindeuten, aber das ist Die Briefschreiberin nicht. Der Roman ist in ICH-Form geschrieben, hat einen ganz anderen Aufbau und natürlich Inhalt, und das Ende - so viel kann ich schon mal verraten - ist nicht so tragisch wie beim Galgenbuck. Das Cover muss für mich den Inhalt des Buches widerspiegeln oder zumindest den Eindruck geben, dass Inhalt und Cover zusammenpassen. Es muss nicht zum Buchtitel passen, ich weiß, einige sind enttäuscht, weil da nicht Briefe, Stifte oder dergleichen zu sehen sind, aber meine Briefschreiberin schreibt keine Briefe wie wir es kennen. Oder meinen Sie, im Jahre 2066 greifen die Menschen noch zu Papier und Kugelschreiber? Die Landschaft auf dem Cover entspricht aber der Landschaft, wie ich sie in dem Buch erlebt habe. Schauen Sie sich nur die Wolkenformationen an - heute nennt man so was auch Chemtrails. Auch die herbstlichen Farben passen zu der Veränderung, die sich weltweit plötzlich einstellt. In dem Roman geht es auch um Wandel, neue Bewusstseinsebenen ... und natürlich um die Schöpfung.

HistorySearch Autorenforum: Ich sehe schon, dieser Roman wird spannend. Vielen Dank, dass Sie sich wieder Zeit für uns genommen haben!

 

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Interview 2012 Der Galgenbuck

HistorySearch Autorenforum: Frau Pauls, mit Ihrem neuen Roman greifen Sie tief zurück ins Spätmittelalter. Wie weit darf sich der Leser auf Spurensuche begeben und auf historisch identische Informationen freuen?

Autorin: Der Roman wurde sorgfältig recherchiert und natürlich ist es schwer, genaue Informationen aus dieser Zeit zu bekommen, die genau belegbar oder dokumentiert sind. Zwar hatte ich genügend Material zur Verfügung, doch dies musste ja auch für die Zeitspanne 1521-1523 und den Schauplätzen genau passen. Es fängst schon mit den unterschiedlichen Gewichten an, die von Stadt zu Stadt schon abweichen konnten. Eine Elle Stoff hatte in Westfalen ein anderes Maß, als im Schwarzwald. Um den Leser nicht zu verwirren, musste ich eine "Einheitsgröße" wählen. Dies nur als kleines Beispiel.

HistorySearch Autorenforum: Sie sprechen über die Schwierigkeit, Informationen zu bekommen. Wer waren Ihre Ansprechpartner für Ihre Recherchen?

Autorin: Neben der Gemeinde Grafenhausen, dem Stadtarchiv Schaffhausen und dem Kloster Allerheiligen, natürlich auch diverse Quellenangaben aus nahezu 35 Büchern und schriftlichen Dokumenten. Dazu kam noch eine umfassende Recherche im Internet, wobei ich Steffen Schnieders hier erwähnen möchte, der mit seiner Internetpräsenz eine große Hilfe war.

HistorySearch Autorenforum: Was macht Ihren Roman aus? Was könnte ihn zu einem Bestseller machen?

Autorin: Das besondere an diesem Roman ist nicht nur die historische Tatsache, dass die Welt um 1522 mit Reformation, Bauernkrieg, Pest und Hexenverfolgung zu kämpfen hatte. Das alltägliche Leben, die Sorgen des Alltags, aber auch die zeitweise erschreckende Gleichgültigkeit über den Wert eines Menschenlebens, wird auf 300 Seiten lebendig. Lebensweisheiten werden geboren und dem Leser weitergegeben - Weisheiten, die auch 500 Jahre weiter noch an Gewicht haben und den Lesern berühren.

HistorySearch Autorenforum: Mit Hans Müller, dem Bauernanführer aus Bulgenbach haben Sie eine historische Figur mit im Gepäck. Inwieweit darf sich der Leser auf seinen Auftritt freuen?

Autorin: Natürlich spielt Hans Müller für die Menschen im südlichen Schwarzwald, vor allem hier in dieser Region eine große Rolle, wenn es um Bauernaufstand und Bauernkrieg geht. Über seine Person wurde nicht sehr viel überliefert, doch das Wenige reichte vollkommen aus, um ihn in einer Begegnung mit dem Zimmermann Günther in dem Roman einbauen zu können. Sein Gedankengut ist wichtig, um die Handlung des Protagonisten zu verstehen. Sie baut darauf auf, sie gibt dem Roman eine Wende.

HistorySearch Autorenforum: Historische Romane haben in den letzten Jahren zu einer regelrechten Buchschwämme geführt, die zum Teil auch verfilmt wurden. Wenn Ihr Roman verfilmt werden würde, aus was müsste sich der Leser einstellen?

Autorin: Ich ahne, was Sie wissen wollen :-) Nun, Buch und Verfilmung sind immer zwei Paar Schuhe, ich bin keine Drehbuchautorin, habe aber meinen Roman längst als Film gesehen. Ich glaube jeder Schriftsteller hat seine eigene Methode, wie er seine Gedanken lebendig werden lässt, um sie aufschreiben zu können. In meinem Kopf läuft ein regelrechtes Kopfkino ab, mit allem drum und dran. Es fällt mir oftmals sogar schwer, in die Realität wieder zurückzukehren. Nach dem Mittelalterfest mit der Hans-Müller-Gruppe brauchte ich gut ein paar Stunden. Ich erlebe das, was ich schreibe und die Leser merken das auch. Das kann enttäuschend sein, wenn ein Buch dann verfilmt wird. Ich würde vor allem auf landschaftliche Höhepunkte setzen, ein Stück Deutschland käme hier zum Vorschein, wie es vielleicht nur wenige kennen. Auch geschichtlich interessante Orte wie Münster, Köln, Mainz, Heidelberg und Freiburg müssten genügend Raum haben, um die unterschiedliche Kultur, Politik und auch Religion im Spätmittelalter deutlich zu machen. Höhepunkt wäre natürlich die Schwarzwaldgemeinde Grafenhausen, die nicht nur landschaftlich auf den Menschen inspirierend wirkt. Dieser Ort hat eine besondere Ausstrahlung, die Einheimische wahrscheinlich gar nicht so richtig wahrnehmen. Die Stätte um den Galgenbuck oder der Ort generell wäre eine tolle Filmkulisse (hier hat ja auch schon die Schwarzwald-Klinik gedreht!)
Orte wie St. Blasien oder Badenweiler, Schaffhausen in der Schweiz oder St. Peter auf dem Schwarzwald mit dem Prior Michael Sattler würden einem Film natürlich eine besondere Note geben. Die historischen Bauwerke sind zum Teil alle noch sehr gut erhalten.

HistorySearch Autorenforum: Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für uns genommen haben! Nur noch eine Frage: Was hat das mit dem Mittelalteressen im Breitehof auf sich, für das Ihr Buch Werbung macht?

Autorin: Familie Jakobi war so nett, die Räumlichkeiten spontan für ein Mittelalteressen inklusive Lesung bereitzustellen. Das gibt dem Roman natürlich einen ganz besonderen Rahmen, da der Breitehof auch in meinem Roman eine zentrale Rolle spielt. Was sich die Protagonisten ersehnten, wurde quasi 500 Jahre später verwirklicht. Mehr möchte ich aber nicht verraten, außer, dass die Website vom Breitehof einen Besuch wert ist. www.gasthaus-breitehof.de

Anmerkung der Redaktion: Das Gasthaus Breitehof existiert seit Herbst 2012 nicht mehr.

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